Kongress  /  6.7.2017  -  7.7.2017

Logistik Forum: Smart Services in der Logistik

Logistik Forum Nürnberg 2017

Digitalisierung verändert die Supply Chain: Prozesse in und zwischen Unternehmen müssen ebenso neu durchdacht werden wie bisher etablierte Geschäftsmodelle, Ausbildungsinitiativen oder die Einbindung und der Einsatz von Technologien. Deshalb stand das 9. Logistik Forum am 6. und 7. Juli 2017 in der IHK Akademie Mittelfranken in Nürnberg unter dem Titel » Smart Services in der Logistik«. In Kooperation mit der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS veranstaltete der CNA e.V. das zweitätige Forum wieder als praxisnahe Plattform mit Vortragsreihen, Podiumsdiskussion und begleitender Fachausstellung. Am Abend des ersten Veranstaltungstages fand zusätzlich die Logistics Innovation Night im Test- und Anwendungszentrum L.I.N.K. des Fraunhofer IIS statt. Knapp 200 Logistik-Experten waren der Einladung gefolgt, um sich an zwei Tagen über die neuesten Forschungsergebnisse und Entwicklungen auf diesem Gebiet auszutauschen.

Nach einem Grußwort und der Vergabe der Förderzusage für zwei Innovationsprojekte von Hans-Peter Böhner, Ministerialdirigent im bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr, eröffneten anschließend die Keynotes Larry Terwey, loT Global Blackbelt bei Microsoft, und Prof. Dr. Alexander Pflaum, Leiter der Fraunhofer SCS und Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, den Kongress. Bei beiden wurde deutlich: Die Welt wird sich zunehmend weiter vernetzen; und mit dieser Vernetzung wächst auch die Bedeutung von Software und Daten.

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten die beiden Vorredner mit Alexander Ochs, Bayernhafen, und Erik Wirsing, Schenker AG, zum Thema »Smarte Services – Ist die Logistik Treiber oder Getriebene«. Die Experten gingen der Frage nach, wer letztendlich den Wettbewerb um die Daten gewinnt: Die Logistik-Branche oder ihre Mitstreiter aus einem teilweise ganz anderem Umfeld. Schnell wurde klar, dass viel Arbeit vor der Branche liegt – auch wenn einzelne Vorreiter das Thema konsequent angehen, gibt es noch eine große Zahl an Bereichen mit Nachholbedarf. Neben der unternehmens- und plattformübergreifenden Kooperation gebe es laut der Experten noch weitere offene Punkte, wie. z.B. die Themen Standardisierung, Datensicherheit und Geschwindigkeit in der Umsetzung einhergehend mit dem Wechsel der Einstellung in den Unternehmen selbst: Um letztendlich erfolgreich sein zu können, müsse Scheitern erlaubt sein, die Leitung und damit auch die Mitarbeiter hinter dem Thema stehen und das Bewusstsein entwickelt werden, dass Digitalisierung niemals ende.

Am Nachmittag schlossen zwei Vortragsreihen mit jeweils zwei Blöcken an das Plenum an: Eine Reihe widmete sich den Themen »Smart Services« bzw. »Geschäftsmodelle«; mit Vorträgen u. a. zu Herausforderungen und Erfolgen auf dem Weg zur digitalen Supply Chain, Kooperationen in der Logistik und dem Forschungsprojekt DProdLog – einer Dienstleistungsplattform für die Nutzung intelligenter Behälter.

In der parallel stattfindenden Vortragsreihe »Digitales Transportmanagement/ Kombinierter Verkehr« und »Smart Maintenance« referierten Experten u. a. über das digitale KV-Terminal, über neue Wege der digitalen Transformation bei MAN Truck and Bus / RIO oder über Railway Maintenance bei Siemens bzw. Maintenance Logistik bei Lufthansa.

Logistics Innovation Night: L.I.N. im L.I.N.K.

Am Abend des ersten Kongresstages fand abschließend die »Logistics Innovation Night  –  L.I.N. im L.I.N.K.« der Fraunhofer-Arbeitsgruppe SCS statt. Nach der Keynote von Daniel Krauss, Mitgründer und Geschäftsführer von FlixBus zum Thema »What busses and logistics have in common« konnten die Teilnehmer nicht nur in einer offenen Demonstrator-Session die neuesten Entwicklungen in Sachen digitalisierter Produktion und Logistik in der Praxis direkt erleben, sondern auch in angenehmer Atmosphäre über die Vorträge und den Tag diskutieren.

Der Freitag startete im Plenum mit zwei in die Zukunft blickenden Vorträgen von Elmar Issing, SSI Schäfer Automation, und Dr. Joachim Winter vom deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. Auch Issing schlug in die Kerbe der disruptiven Innovation; hier bezogen auf die Intralogistik. Dagegen spannte Dr. Joachim Winter den Bogen zu einem automatisierten Güterfernverkehr. In seiner Vision ist die Bahn das Gütertransportmittel der Zukunft: Mit Autos und LKWs habe man zu lange das falsche Transportmittel subventioniert. Mit Ultrahochgeschwindigkeitszügen könne die Schiene mit der Straße mithalten – es werde jedoch auch eine entsprechende Investition in die Infrastruktur benötigt, da das Transportieren alleine nicht ausschlaggebend sei – zusätzlich seien angepasste Umsteige-, Lagerungs- und Weitertransportysteme zur Feinverteilung notwendig.

Diesen Keynotes folgten die beiden parallel laufenden Vortragsreihen zu den Themen »Urbane Logistik« und »Digitalisierung der Intralogistik: Vom Lager bis zur Produktion«. Im Slot »Urbane Logistik« sprachen Experten wie Prof. Dr. Bogdanski von der TH Nürnberg oder Philip Walz von Tiramizoo über Innovationen auf der letzten Meile;

In der zweiten Vortragsreihe beschäftigten sich die Beiträge intensiv mit der Umsetzung und Implementierung von Industrie und Logistik 4.0, bevor in der abschließenden Diskussion »Digitalisierung und Mitarbeiter – worauf müssen wir achten?« Dr. Andreas Hampe, Robert Bosch, Thomas Kühl, AGCO, und Sven Wosny, Schellecke Digital Innovations, Erfahrungen und Einschätzungen austauschten.