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Gabelstapler Gefahrenschild an einer alten grauen Steinwand

Bilder sagen mehr als Worte – auf neuen Wegen gegen den Arbeitskräftemangel in der Logistikbranche

Forschungsprojekt »LogiPICs – Logistische Prozesse in Bildsprache«

Das Projekt ist Anfang April 2017 gestartet. Ziel ist es, eine Bildsprache zu entwickeln, die logistische Arbeitsanweisungen im Lager interkulturell verständlich darstellt. Die Bildsprache soll neben der beschleunigten Einarbeitung auch zu einer Stabilisierung und Steigerung von Qualität und Effizienz der Prozesse im Lager führen. Durch den weitgehenden Verzicht auf sprachliche Mittel dient die Bildsprache zudem der Integration von Menschen mit anderer Muttersprache als Deutsch.

 

Dem Arbeitskräftemangel im KMU-Bereich entgegen wirken und die Integration mittels Bildsprache fördern

Die Logistikbranche wächst rasant und ist von zunehmender Automatisierung geprägt. Trotz dieser Tendenz ist gerade im KMU-Bereich die Arbeit im Lager nach wie vor von einfachen manuellen Tätigkeiten geprägt. Tätigkeiten, für die es – gerade in Regionen mit niedriger Arbeitslosigkeit – an Arbeitnehmern und -nehmerinnen fehlt. Diese Lücke könnte von ungelernten Arbeitskräften, Asylsuchenden mit Arbeitserlaubnis oder EU-Ausländern geschlossen werden; wäre da nicht das Hindernis »Sprache«.
Genau hier setzt LogiPICs an: Durch die Entwicklung einer modular gestalteten Bildsprache, die einfach und interkulturell verständlich ist, können Arbeitskräfte unabhängig von ihren Deutschkenntnissen und ihrer Qualifikation schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden. Der »Nebeneffekt« liegt auf der Hand: Verfügt ein Unternehmen über genügend Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die dank der Bildsprache schnell und standardisiert angelernt und flexibel eingesetzt werden können, können insbesondere KMU im internationalen, von zunehmender Automatisierung geprägten Wettbewerb langfristig bestehen und auf einem hohen Niveau flexibel agieren.

 

»LogiPICs« im JOSEPHS® kennenlernen

Im Projekt arbeitet die Gruppe Human Centered Innovation von Fraunhofer SCS, mit der Forschungsgruppe für optimierte Wertschöpfung HSAOps (Prof. Dr. M. Krupp, Projektleitung) und der Professur Informationsdesign (Prof. M. Stoll) der Hochschule Augsburg. Außerdem sind zehn Unternehmen aus verschiedensten Branchen eingebunden, darunter Integrations- und Logistikspezialisten. In einem ersten Schritt wurden diese Logistikspezialisten befragt, um die Prozesse zu identifizieren, die sich für eine Übersetzung in die Bildsprache eignen. Aktuell arbeitet die Hochschule Augsburg an der iterativen Entwicklung der Bildsprache, die von einer parallelen Evaluation hinsichtlich der Kriterien Bildverständnis, Auslösung der korrekten Handlung, Interpretationsstabilität sowie Akzeptanz begleitet wird. Die Evaluation, für die Fraunhofer SCS verantwortlich ist, stützt sich auf einen breiten Personenkreis: Neben Logistikkräften werden auch noch-branchenfremde, aber potenzielle künftige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie »Durchschnittsbürger« in die Evaluation einbezogen. Letztere können die entwickelte Bildsprache in der aktuellen Themenwelt »Sinne: digital« seit dem 1.9.2017 im offenen Innovationslabor JOSEPHS® auf Herz und Nieren prüfen.