Pressemitteilung

Forschungsprojekt »Digitales Gesundheitsdorf Oberes Rodachtal«: Lokale Anlaufstelle macht Potenziale der Digitalisierung für die medizinisch-pflegerische Versorgung erlebbar

Heute wurde in Steinwiesen die lokale Anlaufstelle im Projekt DIGI-ORT eröffnet, die der Caritasverband für den Landkreis Kronach e.V. betreibt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich hier nun selbst über Assistenztechnologien und Lösungen informieren und bedarfsorientiert beraten lassen.

Das Forschungsprojekt »Digitales Gesundheitsdorf Oberes Rodachtal (DIGI-ORT)« erprobt die Potenziale der Digitalisierung zur Verbesserung der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung. Eine digitale Plattform vernetzt ambulante Pflegedienste, Hausärzte sowie Pflegebedürftige, chronisch Kranke und deren Angehörige – mit dem Ziel, die Abstimmungsprozesse zu vereinfachen. Dazu wird der Einsatz von am Markt verfügbaren technischen Assistenzsystemen untersucht, um ein selbständiges Wohnen im eigenen Zuhause zu fördern.
 

Lokale Anlaufstelle und ehrenamtlicher Begleitdienst

Die digitale Plattform und die technischen Assistenzsysteme bilden die Basis von DIGI-ORT. Diese Lösungsansätze müssen für Bürgerinnen und Bürger, insbesondere Pflegebedürftige, chronisch Kranke und deren Angehörige, erlebbar gemacht werden. Deshalb ergänzt seit heute die lokale Anlaufstelle im Projekt DIGI-ORT in Steinwiesen die erarbeiteten digitalen Forschungslösungen. Betrieben wird die Einrichtung vom Caritasverband für den Landkreis Kronach e.V. als Projektpartner der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS.

In der lokalen Anlaufstelle informiert die Caritas Kronach interessierte Bürgerinnen und Bürger über das Forschungsprojekt sowie die Möglichkeiten zu technikunterstütztem Wohnen und technischen Assistenzsystemen. Darüber hinaus koordiniert sie – über eine Online-Plattform – einen ehrenamtlichen Begleitdienst, der Angebote wie z. B. die Unterstützung bei Arztbesuchen oder Einkäufen vermittelt.
 

Interaktive Online-Eröffnung am heutigen bundesweiten Digitaltag 2021

Mit dem Ziel, den digitalen Wandel zu gestalten, wurde der jährlich stattfindende bundesweite Digitaltag ins Leben gerufen – der passende Anlass auch für die Eröffnung der lokalen Anlaufstelle. Schließlich geht es im Projekt DIGI-ORT darum, durch die digitale Vernetzung der medizinisch-pflegerischen Versorgung im ländlichen Raum die digitale Teilhabe für alle zu fördern. Langfristig sollen die Projektergebnisse dazu beitragen, Pflegedienste und Arztpraxen im Oberen Rodachtal zu entlasten sowie die gesundheitliche Versorgung insbesondere für ältere oder wenig mobile Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen.

Wie  wichtig es ist, Digitalisierung in der medizinisch-pflegerischen Versorgung zu erforschen und in diese zu integrieren, betont auch der Bayerische Staatsminister für Gesundheit und Pflege, Klaus Holetschek, in seinem Grußwort: »Digitale Gesundheitsorte wie das ›Digitale Gesundheitsdorf im Oberen Rodachtal‹ bringen uns gemeinsam in die Zukunft. Ich begrüße es ausdrücklich, wenn wir Digitalisierung dazu verwenden, Synergien zu schaffen – in Pflege und medizinischer Versorgung – und damit letztendlich die Lebensqualität der Menschen verbessern. Deshalb unterstützen wir Forschungsprojekte wie DIGI-ORT.« Wichtig sei aber, dass Digitalisierung kein Selbstzweck ist, sondern immer einen Mehrwert bietet, so der Minister: »Auch bei der Digitalisierung in der Pflege geht es darum, dass wir unterstützen und nicht ersetzen. Ein Ansatz, den auch DIGI-ORT verfolgt.«

Das Förderprojekt des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege wird vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS und seiner Arbeitsgruppe für Supply Chain Services durchgeführt. Praxispartner im Oberen Rodachtal ist der Caritasverband für den Landkreis Kronach e.V. mit seinem ambulanten Pflegedienst.

Wie die digitalen Lösungen in der lokalen Anlaufstelle für die Bürgerinnen und Bürgern erlebbar werden, zeigten die Projektpartner bei der virtuellen Vorort-Begehung. So wurde u. a. der neu geschaffene Demonstrator vorgestellt, der die menschenbezogenen technischen Lösungen visualisiert: Hier werden die Technologien wie z. B. neuartige, textilbasierte Vitaldatenmonitoring-Systeme, kommerziell verfügbare technische Assistenzsysteme und passende Smart Home- bzw. AAL-Lösungen in der Anwendung gezeigt. Damit einhergehend wurde der Informationsfilm zur digitalen Plattform vorgeführt: Dieser veranschaulicht, wie in einem privaten Datenspeicher zu Hause die Daten aller Technologien zusammenlaufen und dann – individuell ausgewählt durch die Seniorinnen und Senioren, Pflegebedürftigen oder chronisch Kranken – an die anderen beteiligten Akteure, also Hausärztinnen und -ärzte, Pflegepersonal und Angehörige, über eine zentrale IoT-Plattform weitergeleitet werden.

Beim virtuellen Rundgang zeigte sich auch Cornelia Thron, Geschäftsführerin und geschäftsführender Vorstand des Caritasverbandes für den Landkreis Kronach e.V., sehr zufrieden mit den Entwicklungen im Projekt: »Mit DIGI-ORT sind wir auf dem richtigen Weg, um die Gesundheitsversorgung der Menschen im Oberen Rodachtal zu verbessern. Es zeigt sich schon jetzt, dass die Forschungslösungen des Fraunhofer IIS einen echten Bedarf in der Versorgung adressieren. Wir erleben bereits, wie sehr moderne Technik assistieren kann. Das Pflegepersonal wird also keinesfalls ersetzt, sondern durch Digitalisierung erheblich entlastet: So werden Freiräume geschaffen für wieder mehr menschliche Zuwendung.«

Dr. Andreas Hamper, Projektleiter Digitales Gesundheitsdorf Oberes Rodachtal bei der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer IIS, ergänzt: »Mit unserer Forschung haben wir wichtige Grundlagen aufgebaut. Aus technischer Sicht wurde der Prototyp für eine zentrale IoT-Plattform erforscht und entwickelt, die sowohl die Vitaldaten als auch Daten aus der häuslichen Umgebung vernetzt und dabei dem Thema Datensouveränität hohe Priorität einräumt. Aus nutzerorientierter Sicht erleben wir große Zufriedenheit bei den Tests in den Haushalten: Sowohl die Patientinnen und Patienten als auch die Pflegenden und die Ärzteschaft sehen den Mehrwert von digitalen Lösungen. Für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung müssen diese Forschungsergebnisse nun in die Versorgungspraxis im Alltag einfließen.«

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