Netzwerk für intelligente, modulare Sonderladungsträger

Entwicklung der Sonderladungsträger von morgen

Foto zum Projekt iSLT.net; Ersatzteile in einer Autofabrik
© Nataliya Hora - Fotolia.com

Ladungsträger sind die zentralen Logistikobjekte für den Transport von Bauteilen und Produkten in Wertschöpfungsnetzwerken. Die Logistikbranche steht jedoch vor zwei großen Herausforderungen. Einerseits ist der Wettbewerbsdruck auf Ladungsträgerhersteller in den letzten Jahren stetig gewachsen – Ihre Kernwertschöpfung wandert so zunehmend in Länder mit niedrigen Lohnkosten ab. Andererseits ist der Einsatz von bauteilindividuellen Sonderladungsträgern bei kurzen Nutzungszyklen, wie beispielsweise in der Automobilbranche, mit hohen Kosten verbunden. Wie also diesen Herausforderungen begegnen?

Das auf drei Jahre angelegt und im Januar 2020 abgeschlossene Forschungsprojekt »iSLT.NET« hat hierzu zwei Ansätze verfolgt: zum einen wurden technologische Lösungen für die Gestaltung von intelligenten, modularen Sonderladungsträgern entwickelt, die für mehr Transparenz in überbetrieblichen Versorgungsketten sorgen, zum anderen mit Hilfe von Kosten-Nutzen-Analysen die Chancen in den Blick genommen, die sich durch die Basistechnologien des Internet der Dinge für die Entwicklung ladungsträger- und datenbasierte digitaler Dienstleistungen und Geschäftsmodelle ergeben.

Chancen durch Neugestaltung und Digitalisierung

Das Ziel des Forschungsprojektes »iSLT.NET« war es, die physischen intelligenten Sonderladungsträger in eine serviceorientierte digitale Plattform einzubetten sowie das dazugehörige Geschäftsmodell zu erstellen und zu bewerten. Bisher bleiben die Chancen, die sich durch modulare, rekonfigurierbare Ladungsträgergestaltung und datenbasierte Dienstleistungen in einem unternehmensübergreifenden Netzwerk ergeben, weitestgehend ungenutzt.

Durch das Forschungsprojekt soll im Sinne eines Service-Systems über eine Cloud-Plattform ein entsprechendes Geschäftsmodell unternehmensübergreifend für alle Akteure der Supply Chain verwendbar gemacht werden. So können Ladungsträgerhersteller die digitale Transformation gezielt dafür nutzen, ihr Angebot um produktnahe Dienstleistungen zu erweitern während auf Seiten der Anwender von einer effizienten Ladungsträgernutzung ohne hohe Erstinvestitionen und Einstiegsbarrieren profitiert werden kann.

Um diese Ziele zu erreichen, konzentrierte sich das Forschungsprojekt dabei zunächst auf die Analyse, Bewertung und Auswahl von Technologien des Internet of Things für modulare Sonderladungsträger. Anschließend wurden mit Sensorik ausgestattete Sonderladungstraeger bei den Industriepartnern eingesetzt und überwacht. Parallel dazu erfolgte die Identifikation und Konzeption von Dienstleistungen.

Abschlussveranstaltung mit Präsentation der Forschungsergebnisse

Bei der Abschlusspräsentation durch die Industrie- und Forschungspartner standen die gewonnenen Erkenntnisse und Potenziale der Digitalisierung und Modularisierung von Ladungsträgern, z. B. Transparenzsteigerung und Optimierungspotenzial der Supply Chain-Prozesse, sowie Nachhaltigkeit und Wiederverwendung von Ladungsträgern am Beispiel der Automotive-Branche im Fokus.

Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS mit seiner Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS entwickelte die Hard- und Software für eingebettete Systeme sowie Anwendungssoftware und stellte die Middleware bereit. Der Forschungspartner verantwortete weiterhin das Methoden-Coaching für die Service- und Geschäftsmodellentwicklung. Ebenso führte er Tests und Demonstrationen im Test- und Anwendungszentrum L.I.N.K. des Fraunhofer IIS.

Das Fazit von Prof. Dr. Andreas Harth: »Wir konnten im Projekt zeigen, dass modulare Sonderladungsträger mit Sensorik erfolgreich und profitabel in der Praxis eingesetzt werden können. Der Fokus in der weiteren Forschung und Entwicklung liegt nun in der verstärkten Einbindung der Sensordaten und der weiteren Verknüpfung der Sonderladungsträger-Daten in logistische Prozesse.«

 

 

Unsere Projektpartner

  • GEBHARDT Logistik Solutions GmbH – Projektleitung, Konzeption und Realisierung des iSLT, Entwicklung von »Container-as-a-Service«-Konzepten aus der Perspektive des Lösungsanbieters.
  • BMW AG – Entwicklung von »Container-as-a-Service«-Konzepten aus der Perspektive des Anwenders (OEM).
  • Dräxlmaier Industrial Solutions GmbH – Entwicklung von »Container-as-a-Service«-Konzepten aus der Perspektive des Anwenders (Zulieferer), Integration der Lösung in die eigene Cloud-Infrastruktur.
  • Hochschule Landshut – Entwicklung des iSLT (insbes. modulare Baukastenstruktur), Konzeption und Bewertung des Services, Test und Demonstration des Gesamtsystems in Musterfabrik.
  • TU München – Konzeption und Realisierung des iSLT (insbes. der Soll-Prozesse), Unterstützung bei der Entwicklung, Test und Demonstration in der Versuchshalle des Lehrstuhls Fördertechnik Materialfluss Logistik der Fakultät für Maschinenwesen.

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