Resilienz der Bargeldversorgung

Resiliente Cash-Logistik: Sicherheitskonzept für Not- und Krisenfälle

Bargeld erhalten in Krisensituationen BaSic-Projekt
© iStock.com/ leongoedhard

Eine längere andauernde Not- und Krisensituation hat weitreichende Auswirkungen auf ein Land. Trotzdem muss dessen Bevölkerung weiterhin in der Lage sein ihre Grundbedürfnisse, wie z. B. Ernährung, Hygiene und Mobilität, ausüben zu können. Der Bezug von Bargeld ist ein essentielles Schlüsselelement zur geordneten Bewältigung eines längerfristigen Katastrophenfalls. So ist im Krisenfall, wenn elektronische Zahlungsmittel häufig nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen, die Versorgung der Bevölkerung mit Bargeld von zentraler Bedeutung.

Aus diesem Grund entwickelt das Forschungsprojekt »BASIC« ein neuartiges Sicherheitsrahmenkonzept, um die Resilienz der Bargeldversorgung in Not- und Krisenfällen zu stärken. Um zu gewährleisten, dass diese jederzeit funktionsfähig ist, liegt der Fokus auf der Absicherung der Arbeitsprozesse der Geld- und Wertdienstleister.

Sicherheitsrahmenkonzept zur Gewährleistung der Bargeldversorgung

Damit die Menschen ihren Grundbedürfnissen weiterhin nachgehen können, ist ein intakter Bargeldkreislauf von absoluter Wichtigkeit. Es könnte aber sein, dass dieser Kreislauf durch verschiedene Krisensituationen gestört wird und z. B. aufgrund von Stromausfall oder Personalmangel die Bargeldversorgung in ihrer aktuellen Form nicht vollständig gewährleistet werden kann. Genau hier setzt das Forschungsprojekt an.

Erstmals entwickeln Akteure aus Kreditinstituten, Handelsunternehmen, Wertdienstleister und Forschungseinrichtungen gemeinsam ein Sicherheitsrahmenkonzept, mit dem Ziel die Bargeldversorgung in Notsituationen dauerhaft aufrecht zu erhalten. Um dies zu erreichen, werden im ersten Schritt mögliche Krisenszenarien, vom langfristigen und flächendeckenden Stromausfall, bis hin zu Ausfällen von Kommunikationsmitteln beschrieben und die dazugehörigen bereits existierenden Notfallpläne einzelner Handelsgruppen, Geldinstitute und Wertdienstleister untersucht. Da diese Pläne jedoch häufig nur auf einzelne Akteure ausgerichtet sind, werden diese im Forschungsprojekt validiert und hinsichtlich erfolgreicher Bedingungen und Handlungsbedarfe analysiert, um sie anschließend harmonisiert in einem einheitlichen Konzept zu verzahnen. Zudem werden Erkenntnisse aus der Analyse historischer nationaler sowie internationaler Krisen berücksichtigt. Die resultierenden Handlungsempfehlungen sollen alle Akteure im Bargeldkreislauf, insbesondere jedoch die Geld- und Wertdienstleiter in ihrer zentralen Schnittstellenrolle, in die Lage versetzen ihre eigenen Arbeitsprozesse weiter so abzusichern, dass die Bargeldversorgung auch im Krisenfall aufrechterhalten werden kann.

Optimale Bargeldbezugspunkte im Krisenfall durch mathematische Optimierung

In Not- und Krisenfällen können häufig nicht mehr alle Bargeldbezugspunkte, d.h. Geldautomaten und Banken, wie gewohnt betrieben werden. Es fehlt an notwendigen Ressourcen (z. B. Personal bei den Wertdienstleistern) oder die Bargeldbezugspunkte sind z. B. aufgrund eines Stromausfalls nur eingeschränkt nutzbar. Wenn nicht mehr die Funktionsfähigkeit aller Bargeldbezugspunkte gewährleistet werden kann, stellt sich die Frage:

»Welches sind die optimalen Bargeldbezugspunkte in Deutschland, um mit einer geringeren Anzahl derer im Krisenfall eine faire Abdeckung sicherzustellen?«

Der durch die Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer IIS entwickelte mathematische Optimierungsalgorithmus beantwortet diese Frage und gibt eine individuell an die Situation anpassbare Empfehlung, welche Bargeldbezugspunkte im Krisenfall mit hoher Priorität in Betrieb gehalten werden sollten. Neuartig an dem Algorithmus ist, dass dieser nur auf Basis öffentlich verfügbarer Geoinformationen und der individuell einstellbaren Krisenparameter funktioniert.

Um eine hohe Reichweite des Algorithmus sicherzustellen und zu gewährleisten, dass dessen Ergebnisse für alle Akteure im Bargeldkreislauf verfügbar sind, wird der Optimierungsalgorithmus auch im Sicherheitsrahmenkonzept verankert. Das Wissen um die zentralen bzw. »optimalen« Bargeldbezugspunkte kann einerseits taktisch als Vorbereitung auf mögliche Krisen genutzt werden (z. B. bei der Verteilung von Notstromaggregaten) oder operativ während einer Krise eingesetzt werden (z. B. bei der Priorisierung der Belieferung von Bargeldbezugspunkten). Mittels Optimierung kann somit durch eine faire Abdeckung an Bargeldbezugspunkte ein Beitrag dazu geleistet werden, im Krisenfall die Bargeldversorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.

Entwicklung eines standhaften Sicherheitskonzepts

Im Forschungsprojekt »BASIC« wird ein Sicherheitskonzept zur dauerhaften Bargeldversorgung entwickelt, das jederzeit und problemlos in Krisensituationen greifen kann: Eine große Herausforderung, denn dies bedeutet, dass gewährleistet sein muss, dass notwendige Prozesse immer ablaufen können, selbst wenn beispielsweise elektronische Kommunikationsmittel nur noch eingeschränkt verfügbar sind. So kann auch in schweren und andauernden Notlagen ein Mindestmaß an Normalität sichergestellt werden.

Unsere Projektpartner

  • Brandenburgisches Institut für Gesellschaft und Sicherheit gGmbH (BIGS), Potsdam
  • Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste e. V. (BDGW), Berlin
  • Cash Logistik Security AG, Düsseldorf

Assoziierte Projektpartner:

  • Deutsche Bundesbank, Frankfurt
  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Bonn
  • Commerzbank AG, Frankfurt
  • European Security Transport Association, Brüssel
  • Handelsverband Deutschland e.V., Berlin

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