Elektromobilität als Dienstleistung

CODIFeY – Ein Verbundprojekt zur Etablierung von Elektromobilität

© kasto – Fotolia.com

2010 formulierte die deutsche Bundesregierung das Ziel, dass bis Ende 2020 mindestens 1 Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren sollen. Dieses ambitionierte Vorhaben erfordert nicht nur technische Innovationen auf dem Gebiet der Elektromobilität, sondern auch konkrete Pläne, wie diese Neuerungen in der Gesellschaft vermarktet werden sollen. Im Allgemeinen werden Elektrofahrzeuge zwar als innovative Technik der Zukunft wahrgenommen, jedoch wissen Privatpersonen recht wenig über die Möglichkeiten dieser Technologien – nicht zuletzt, weil es bisher kaum anerkannte und umfassende Informationsquellen gab. Aus diesem Grund setzte sich das Verbundprojekt »CODIFeY« zur Aufgabe, die Akzeptanz und Nutzung von Elektromobilität in Deutschland zu fördern und das Interesse innerhalb der Bevölkerung gegenüber Elektrofahrzeugen durch gezielten Wissensaufbau und die Schaffung von Dienstleistungen zu steigern.

Neue Ansätze für Elektromobilitätsdienstleistungen

Das Verbundprojekt »CODIFeY« stellte Privatpersonen in den Mittelpunkt der Untersuchungen. Frühere Forschungsansätze vernachlässigten diese wichtige Schnittstelle häufig. Jedoch sind insbesondere die Beachtung der Einstellungen, Wünsche und Bedürfnisse von Privatpersonen entscheidend, um eine dauerhafte Akzeptanz für Elektrofahrzeuge in der Bevölkerung zu erzielen.

Zunächst wurden zahlreiche Anwendungsfälle aus der Markt- und Forschungslandschaft in eine Datenbank aufgenommen, katalogisiert und näher untersucht. Aus diesen Kenndaten konnten sechs entscheidende Aspekte für eine erfolgreiche Elektromobilitätsdienstleistung definiert und in einer Systematik dargestellt werden:  

  • Anwendungsszenarien
  • Technologie
  • Modale Einbettung
  • Finanzierung und Bezahlung
  • Service und Information
  • Infrastruktur

Mit dieser Systematik war es dem Verbundprojekt »CODIFeY« möglich, Unternehmen von Dienstleistungen in der Elektromobilitätsbranche zu unterstützen und konkrete Umsetzungsmöglichkeiten zu definieren.
 

Der Kunde im Mittelpunkt


Neben der Systematik von Elektromobilitäts-Dienstleistungen wurden potentielle Nutzer und deren Bedürfnisse expliziter analysiert. Aus diesem Grund war das Verbundprojekt »CODIFeY« nicht nur theoretisch, sondern insbesondere auch praxisnah ausgelegt. Die Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS arbeitete mit diversen Partnern aus Forschung und Industrie zusammen und führte im Laufe der Projektlaufzeit mehrere Befragungen und Workshops mit Privatpersonen und Unternehmen durch.

Im Verbundprojekt »CODIFeY« wurden Privatpersonen durch einen Co-Kreation-Ansatz auch aktiv in den Dienstleistungs-Entwicklungsprozess mit eingebunden. Neben der Etablierung einer Online-Community für den Aufbau von Elektromobilitäts-Wissen, den Austausch und die Ideengenerierung war das Projekt mehrmals im Innovationslabor JOSEPHS® vertreten. Auf sogenannten »Themeninseln«, designierten physischen Orten innerhalb des Innovationslabors, konnten so verschiedene Szenarien, Dienstleistungsprototypen und Untersuchungsinstrumente aufgebaut und dargestellt werden. Insgesamt fanden während der gesamten Laufzeit des Projektes »CODIFeY« drei Präsenzphasen (jeweils drei Monate) mit unterschiedlichen Schwerpunkten statt, in denen Besucher die im Projekt entwickelten Dienstleistungen testen, bewerten und weiterentwickeln konnten.

Steigerung der Akzeptanz von Elektrofahrzeugen durch gezielte Dienstleistungen

Durch den Co-Kreation-Ansatz konnten im Projekt Wissensdefizite und Dienstleistungsbedürfnisse identifiziert und zielgerichtete Maßnahmen für die Akzeptanzsteigerung von Elektrofahrzeugen innerhalb der Gesellschaft abgeleitet werden. Die Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS beteiligte sich im Projekt-Konsortium an der Entwicklung und Evaluation von bedarfsorientierten Elektromobilitäts-Dienstleistungs-Prototypen. Unterstützend wurden im Projekt folgende Aktivitäten durchgeführt:

  • Entwicklung einer Elektromobilitäts-Dienstleistungs-Systematik
  • Entwicklung eines Akzeptanz-Modells (Senioren) für Elektromobilität
  • Entwicklung einer Elektromobilitäts-Nutzertypisierung

Unsere Projektpartner

Technische Universität Chemnitz:

  • Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik I – Geschäftsprozess- und Informationsmanagement
  • Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft und Innovationsmanagement

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg:

  • Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik I – Innovation und Wertschöpfung
  • Lehrstuhl für Corporate Sustainability Management
  • Lehrstuhl für Marketing

Anwendungspartner:

  • chemmedia
  • HYVE
  • ENERGIEregion

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