Smart Circular Economy

Entwicklung eines Navigators für die Einführung von Circular Economy in Industrieunternehmen

Smart Circular Economy
© Elnur Amikishiyev

Nachrichten über Hitzewellen, Waldbrände, Dürreperioden und Überflutungen führen uns die menschengemachten Auswirkungen vor Augen, die durch eine Kopplung von Ressourcenverbrauch und Wirtschaftswachstum entstehen. Um die wirtschaftlichen Umweltauswirkungen einzugrenzen, die mit unserem stetigen Wirtschaftswachstum einhergehen, haben 196 Staaten plus die Europäische Union 2015 das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet, um die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auf EU-Ebene wurden weitere Initiativen, wie der EU Green Deal, gestartet und auch Deutschland hat mit einer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie signalisiert, die Ursachen für den Klimawandel bekämpfen zu wollen. Circular Economy wird in diesem Zusammenhang als ein entscheidender Lösungsansatz für die Erreichung der gesetzten ökologischen Ziele wie die Vermeidung von Emissionen oder eine höhere Ressourceneffizienz gesehen. Sie besitzt somit ein enormes Potenzial für ein nachhaltiges Wirtschaften mit großem gesellschaftlichen Mehrwert. Dies ist besonders für produzierende Unternehmen von Relevanz, da der Industriesektor zu einem der Hauptemittenten in Deutschland zählt.

Dank Digitalisierung weg von der linearen Wertschöpfung hin zur smarten Kreislaufwirtschaft

Die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft gestaltet sich aufgrund der bestehenden Informationsasymmetrien entlang der Wertschöpfungsketten herausfordernd. Abhilfe kann hier der Einsatz digitaler Technologien schaffen, die Daten entlang des Produktlebenszyklus sowie in den Wertschöpfungsprozessen zur Verfügung stellen. Diese Vernetzung befähigt Unternehmen, ein zirkuläres Wertschöpfungssystem zu implementieren. Aber welche Schritte und Veränderungen in der Organisation, den Produkten und in der eigenen Wertschöpfung gehen damit einher? Und an welcher Stelle des Veränderungsprozesses stehen die einzelnen Unternehmen aktuell? Um diese Fragen zu beantworten entwickelt die Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer IIS aktuell den Transformationsnavigator »Smart Circularity«.

Mit dem Transformationsnavigator »Smart Circularity« den Reifegrad analysieren und Implementierungslösungen ableiten

Der Transformationsnavigator »Smart Circularity« der Arbeitsgruppe für Supply Chain Services soll produzierende Unternehmen unterstützen, die kreislaufwirtschaftliche Lösungen mithilfe von digitalen Technologien und Daten realisieren wollen. Mit dem Self-Check des Navigators soll zunächst der Reifegrad des Unternehmens hinsichtlich seiner smarten Circular Economy bewertet werden können.

Tranformationsnavigator
© Fraunhofer IIS

Als Status-Quo-Bestimmung, ob und wie ein Unternehmen bereits eine zirkuläre Wirtschaftsweise durch den Einsatz digitaler Technologien umsetzt. Dieser Reifegrad schafft ein grundlegendes Verständnis dafür, welche smarte kreislaufwirtschaftliche Ansätze im Unternehmen bereits umgesetzt sind und welche Chancen darüber hinaus bestehen, um ökonomische und ökologische Ziele besser zu erreichen. Basierend auf dieser Analyse können erste Impulse für die Implementierung adäquater kreislaufwirtschaftlicher Lösungen aufgezeigt werden. Mithilfe weiterführender Interviews wird anschließend ein auf das Unternehmen abgestimmter Transformations-Fahrplan inklusive der erforderlichen technologischen, organisatorischen und managementbezogenen Veränderungen erstellt.

Zur Entwicklung des Navigators wird im Projekt der Stand der Wissenschaft durch eine umfassende Literaturauswertung aufgearbeitet und ein tiefgehendes Verständnis der Wirkungsmechanismen zwischen den vier Dimensionen Organisation, Produkte, Wertschöpfungsprozesse und digitale Technologien sowie Daten geschaffen. Basierend hierauf werden unterschiedliche Determinanten für die Reife von Unternehmen abgeleitet, die den Einsatz digitaler Technologien und Daten bis hin zu neuen Geschäftsmodellen wie Pay-per-X-Modelle im industriellen Unternehmens- und Kreislaufwirtschaftskontext umfassen. Mithilfe eines deduktiven und induktiven Vorgehens soll schließlich ein wissenschaftlich-fundiertes Modell zur Messung des Reifegrads einer smarten Circular Economy in industriellen Unternehmen entstehen. Der Transformationsnavigator »Smart Circularity« wird somit ein objektives Instrument darstellen, das es Unternehmen ermöglicht,

  • den eigenen Entwicklungsstand zu bewerten,
  • Potenziale für eine smarte Circular Economy zu identifizieren und
  • darauf aufbauend individuelle Roadmaps zur Umsetzung einer smarten Circular Economy zu entwickeln.

Mit Fertigstellung des Navigators nach Projektende können produzierende Unternehmen mit Unterstützung der Arbeitsgruppe für Supply Chain Services ihren Weg in die Circular Economy starten.

Lydia Bühler im Gespräch

Das könnte Sie auch interessieren

 

Forschungsfeld

Datengetriebene Geschäftsmodelle

Erfolgreiche zukünftige Geschäftsmodelle basieren auf Daten. Dafür braucht es neue Werkzeuge, die kreative Methoden um eine Datenorientierung ergänzen.

 

SmartDiF – Die »Smarte Dienstleistungsfabrik« für KMU

Vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen oder Startups fehlen in der Regel die Mittel, um die Potenziale der Digitalisierung optimal zu nutzen. Das will die Arbeitsgruppe SCS ändern und entwickelt im Forschungsprojekt »Smarte Dienstleistungsfabrik« unter anderem eine physisch-digitale Werkbank.

 

Future Digital Job Skills

Die Digitalisierung hat weitreichende Folgen, v.a. für KMU. Sie ist eine große Herausforderung und besonders auch ein mitarbeiterbezogenes Thema. Nur durch die Befähigung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Umgang mit den digitalen Veränderungen kann ein Unternehmen die digitale Transformation meistern.